"Eine Pflegekammer in Baden-Württemberg?"

Die Evangelische Altenheimat hat ihre Mitarbeitenden zu einer Informationsveranstaltung zum Thema mit Referent Uwe Seibel, Geschäftsführer im Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), eingeladen. Etwa 70 Personen sind in die Wohnanlage am Lindenbachsee gekommen, um sich kundig zu machen: darunter Leitungs- und Fachkräfte und Mitarbeitervertretungen.

 

Laut Vorstandsvorsitzendem Hans Kübler ist die Pflegekammer eigentlich ein "altes Thema". Seit 10 bis 30 Jahren stehe es immer wieder auf der Tagesordnung und gelange hoffentlich jetzt zur Umsetzung.

Der aus eigener Berufspraxis in der Pflegebranche kundige Referent macht deutlich, dass an der Eirichtung einer von den Pflegefachkräften selbst verwalteten Kammer pflegepolitisch gesehen kein Weg vorbeiführt. Wie das Beispiel der bisher einzigen in Deutschland existenten Pflegekammer in Rheinland-Pfalz zeigt, eröffnet eine Pflegekammer die Möglichkeit, politisch Einfluss zu nehmen. Sie ist beratendes Gremium für die Politik und sitzt an den Verhandlungstischen mit gesundheitspolitischen Experten. Als Selbstvertretungsorgan der Pflegebranche ist die Pflegkammer berufsständige Verwaltung auf Grundlage der Heilberufsgesetze. Sie ist ebenso Interessenvertretung und Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit.

Eine Mitgliedschaft in der Kammer ist verbindlich für alle Pflegefachkräfte. Über deren Beiträge finanziert sich die Kammer. Ein monatlicher Beitrag von knapp 10 Euro ist zu erwarten, für die Mitglieder ist er steuerlich voll absetzbar. Die Hauptaufgabe der Pflegekammer liegt in der Sicherung der Qualität der Pflege im Land. Als Fachorganisation erlässt sie eine verbindliche Berufsordnung und legt regelmäßige Fort- und Weiterbildungen der Pflegmitarbeitenden fest.

Die verpflichtende Registrierung aller Fachkräfte hilft die Qualität der Pflege für alle Mitwirkenden verbindlich zu festigen und weiterzuentwickeln. Vergleichbar mit der Ärztekammer, die den Fortbildungsstandard der Ärzte regelt, kann eine Kammer der Pflege dies ebenso tun.  Durch die Gleichstellung mit anderen Heilberufen kann die Pflegebranche eine gesellschaftliche Aufwertung erwarten.

Herr Seibel betont: Die Pflegekammer stellt in ihren Aufgaben keine Konkurrenz dar zu Gewerkschaft, Berufsverbänden oder Kontrollinstitutionen wie MDK und Heimaufsicht. Diese bleiben bestehen und in ihren Aufgaben unberührt.

In der anschließenden lebhaften Diskussion wird das Thema positiv und kritisch diskutiert. Eine Zweiklassengesellschaft entstehe, indem Pflegehelfer/innen und andere Berufe, die nicht unter die Heilberufe fallen, von der Pflegekammer ausgeschlossen bleiben. Herr Seibold kontert energisch: Die "Gleichmacherei" mache den Pflegeberuf auf Dauer kaputt. Es sei berechtigt, dass sich Pflegekräfte abheben. Nur so könne die Professionalität der Pflege vorangebracht werden. Auch die Zwangsmitgliedschaft wird von einigen Zuhörern kritisch gesehen. Aber kann eine nicht verpflichtende Organisation, die finanziell und somit in den Entscheidungen nicht unabhängig ist, gleichermaßen die Interessen der Branche vertreten?

Wie geht’s weiter in Baden-Württemberg? Das Landesministerium plant Januar bis März 2018 eine Infratest-Umfrage mit einer repräsentativen Gruppe von 1.500 Pflegefachkräften, um ein Meinungsbild der Branche zu erhalten. Die Mitarbeitenden der Evangelischen Altenheimat werden vorbereitet sein, sollten sie befragt werden. Zuvor sollten diejenigen, die an der Veranstaltung teilgenommen haben, als Multiplikatoren in den Häusern tätig werden.

Weitere Informationen bietet die Seite des Ministeriums www.pflegekammer-bw.info